Unternehmen Berufsanerkennung

Geflüchtete einstellen: So gelingt der Einstieg!

– von Constantin Bräunig

Gut 1,4 Millionen Menschen sind allein in den Jahren 2015-2017 nach Deutschland geflohen. Viele von ihnen werden in ihre Heimat zurückkehren, viele aber auch bleiben. Sie zu integrieren ist eine große Herausforderung für das Land, aber auch eine Chance – insbesondere für die Wirtschaft. Bei entsprechender Förderung stehen Geflüchtete als Arbeitskräfte für den Wirtschaftsstandort Deutschland zur Verfügung und können ein Baustein sein, den Mangel an Fachkräften zu reduzieren. Jedoch ist die Beschäftigung von Geflüchteten oft mit Hürden und Herausforderungen verbunden.

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge bietet deshalb interessierten Unternehmen kostenlos Beratung, Unterstützung und praktische Lösungsansätze, um diese Herausforderungen zu meistern. Mehr zu der Initiative von Bundeswirtschaftsministerium und Deutschem Industrie- und Handelskammertag finden hier.

In unserem ersten Beitrag soll es vor allem um die Fragen gehen, die sich ganz zu Beginn einer möglichen Beschäftigung von Geflüchteten stellen:

  • Wie sehen die juristischen Rahmenbedingungen aus?
  • Wie komme ich mit Geflüchteten in Kontakt?
  • Wie kann ich auch ohne formale Qualifikationen einschätzen, welche Kompetenzen Geflüchtete mitbringen?

Wer darf in Deutschland arbeiten?

Ob eine geflüchtete Person in Deutschland arbeiten darf, hängt in erster Linie vom Aufenthaltsstatus ab. Generell gilt:

Schutzberechtigte Personen – also Geflüchtete, über deren Asylantrag positiv entschieden wurde und die einen Aufenthaltstitel erhalten haben – dürfen für die Gültigkeitsdauer ihrer Aufenthaltserlaubnis uneingeschränkt beschäftigt werden.

Auch bei Asylbewerbern und Asylbewerberinnen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde (sie besitzen die sogenannte Aufenthaltsgestattung), oder bei Geduldeten, bei denen nach einem negativen Bescheid die Abschiebung ausgesetzt wird, ist eine Beschäftigung möglich. Hier muss allerdings die Ausländerbehörde zustimmen. Den Antrag auf Beschäftigungserlaubnis müssen Geflüchtete selbst bei der Ausländerbehörde stellen.

Es gibt auch eine Gruppe an Geflüchteten, die nicht beschäftigt werden dürfen: Dies betrifft diejenigen, die noch keine drei Monate in Deutschland registriert sind, die eine Aufforderung zur Ausreise erhalten haben. Auch Personen aus sicheren Herkunftsstaaten, die ihren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt haben, können nicht beschäftigt werden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier und hier.

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Wer hilft bei der Kontaktaufnahme?

Bei der Kontaktaufnahme zu Geflüchteten helfen die Bundesagentur für Arbeit und das Jobcenter sowie die Willkommenslotsen.

Die Bundesagentur für Arbeit bietet über den Arbeitgeberservice eine Kontaktstelle für Unternehmen. In vielen Arbeitsagenturen wurde zudem ein Team Asyl eingerichtet, das Ihnen beratend zur Seite steht. Liegt eine Aufenthaltsgenehmigung vor, wechselt die Zuständigkeit und das Jobcenter steht als Ansprechpartner für Sie als Unternehmer zu Verfügung.

Die Willkommenslotsen beraten Unternehmen in allen praktischen Fragen der betrieblichen Integration von Flüchtlingen – dazu gehört es auch, bei der Besetzung von offenen Ausbildungs-, Praktikums- und Arbeitsstellen mit geeigneten Flüchtlingen zu helfen. Die Willkommenslotsen unterstützen Sie beispielsweise dabei, Anforderungsprofile für die jeweilige Stelle zu erarbeiten oder eine Vorauswahl passender Bewerberinnen und Bewerber aus dem Kreis der Geflüchteten zu treffen.

Darüber hinaus gibt es viele digitale Plattformen, auf denen sich interessierte Unternehmen und motivierte Geflüchtete finden können.

Alles dazu und viele weitere Links finden Sie hier.

Wie kann ich die Kompetenzen einschätzen?

Oftmals ist es schwierig, einzuschätzen, welche Kompetenzen die Geflüchteten mitbringen, da es in ihren Heimatländern kein vergleichbares Ausbildungssystem wie in Deutschland gibt. Dennoch gibt es Möglichkeiten, diese Kompetenzen zu erkennen.

Mit der Registrierung in Deutschland sind Geflüchtete für den Bereich Arbeitsförderung in der Obhut der Agentur für Arbeit. Dort wird ein erster grundlegender Lebenslauf erstellt. Dieser wird nach einem positiven Bescheid der Aufenthaltserlaubnis in der Regel durch das Jobcenter erweitert. Dann haben Geflüchtete formal den gleichen Zugang zu Arbeitsförderungsmaßnahmen wie Arbeitslose ohne Migrationshintergrund.

Daneben bietet eine Reihe an Dienstleistern sogenannte Kompetenztests an, die spezifische Kompetenzen abfragen.

Viele unserer Mitglieder haben auch die Erfahrung gemacht, dass sie in Vorstellungsgesprächen vermehrt auf „Soft Skills“ achten müssen, um festzustellen, was er oder sie in das Team einbringen können und welchen Beruf sie gerne ausüben oder erlernen möchten.

Weitere Informationen zum Feststellen von Kompetenzen finden Sie hier.


Constantin Bräunig ist Referent im NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge.

Bildrechte: NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge

 

 

 

 

Neue Themenreihe: Beschäftigung Geflüchteter

Die meisten Anträge auf Berufsanerkennung stammen von Fachkräften aus unseren europäischen Nachbarländern. In den vergangenen Jahren ist aber auch der Anteil der Geflüchteten unter den ausländischen Arbeitnehmern deutlich gestiegen.

In Zusammenarbeit mit unseren Partnern vom NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge wollen wir uns in unserer neuen Themenreihe deshalb mit der Frage befassen, welche Besonderheiten es bei der Beschäftigung Geflüchteter für Unternehmen gibt:

  • Wie können Unternehmen mit Geflüchteten in Kontakt kommen?
  • Wie können Unternehmen die Kompetenzen Geflüchteter einschätzen?
  • Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Unternehmen und Geflüchtete?
  • Welche Hilfestellungen gibt es für Unternehmen im Alltag?

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter, lassen Sie sich inspirieren, und diskutieren Sie mit uns über Ihre Erfahrungen und Ideen – wir freuen uns auf Sie!

Was war 2017? Was kommt 2018? Jahresrückblick und -vorschau von »Unternehmen Berufsanerkennung«

Das Jahresende ist stets ein guter Anlass, um zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Durch die politische Brille betrachtet, mag die Jahresbewertung nicht ganz so gut ausfallen, aus der Warte von „Unternehmen Berufserkennung“ war 2017 jedoch ein so erfreuliches wie erfolgreiches Jahr, das Lust macht auf das Kommende.

Im Rückblick haben wir die Highlights des Jahres für Sie zusammengefasst. Dazu zählen unter anderem der Unternehmenspreis „Wir für Anerkennung“ und die Wanderausstellung „Unternehmen Berufsanerkennung“. Beides werden wir im kommenden Jahr fortführen bzw. neu auflegen.

Was noch ansteht im dritten Projektjahr erfahren Sie in unserem Ausblick.

Was war? Unser Rückblick auf 2017

Zu Beginn des Jahres 2017 ging der Unternehmenswegweiser online. Er führt Sie auf der Suche nach Fachkräften aus dem Ausland zu den passenden Unterstützungsangeboten.

Anschließend haben wir die berufliche Anerkennung für Sie ins Bewegtbild gesetzt: In vier Kurzfilmen und einem Animationsfilm erzählen Unternehmen und Fachkräfte den Weg von der Erstberatung über die Qualifikationsanalyse und Anpassungsqualifizierung bis zur vollen Anerkennung.

Kaum waren die Geschichten im Kasten, ging es weiter mit dem Unternehmenspreis »Wir für Anerkennung«, dessen vier Preisträger im Juni 2017 von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und den Präsidenten der beiden deutschen Wirtschaftsverbände Dr. Eric Schweitzer (DIHK) Hans Peter Wollseifer (ZDH) gewürdigt wurden.

Am Tag der Preisverleihung wurde zudem die Ausstellung »Unternehmen Berufsanerkennung« eröffnet, die seither durch Deutschlands Kammerwelt tourt.

Parallel zu all diesen Aktivitäten haben wir Unternehmen telefonisch über die Möglichkeiten und Chancen der beruflichen Anerkennung informiert.

Was wird? Ein Ausblick auf 2018

Blickt man auf das neue Jahr, tauchen viele Fragen auf: Wer wird die Regierungsgeschäfte übernehmen? Wie werden die Ministerien zugeschnitten und die politische Agenda aussehen?

Für »Unternehmen Berufsanerkennung« sieht die Lage deutlich klarer aus.

Besonders freut uns, dass das BMBF, der DIHK und ZDH auch 2018 Betriebe und Organisationen für ihr Engagement im Bereich der beruflichen Anerkennung würdigen wollen und den Unternehmenspreis »Wir für Anerkennung« erneut ausloben.

Die Wanderausstellung wird 2018 in vielen weiteren Kammerregionen zu sehen sein und unser Webinarprogramm hält auch im kommenden Jahr wieder viele spannende Themen für Sie bereit.

Auf unserem Blog, auf Twitter und auf Facebook werden wir weiterhin über die Chancen und Möglichkeiten der beruflichen Anerkennung erzählen und sicher wird es auch noch die ein oder andere Überraschung geben – für Sie und für uns.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Ein Gewinn für beide Seiten: Wie Unternehmen und Fachkräfte von der Anpassungsqualifizierung profitieren

Für viele Anerkennungssuchende ist die Anpassungsqualifizierung ein zentraler Schritt, um die volle Gleichwertigkeit ihres ausländischen Berufsabschlusses mit dem deutschen Referenzberuf zu erlangen. Warum in der Anpassungsqualifizierung aber auch große Chancen für Unternehmen liegen, erläutern Arne Hirschner von IHK Hannover und Frank Bixler von der Handwerkskammer der Pfalz im Interview mit »Unternehmen Berufsanerkennung«.

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Unternehmen Berufsanerkennung: Herr Bixler, Herr Hirschner, was genau ist eine Anpassungsqualifizierung und welchen Zweck erfüllt sie in der beruflichen Anerkennung?

Bixler: Allgemein bezeichnet der Begriff der Anpassungsqualifizierung ja eine Maßnahme, bei der einer Person Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt werden, die sie braucht, um den Anforderungen des aktuellen Arbeitsmarktes zu entsprechen. Im konkreten Kontext der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse sind damit Maßnahmen gemeint, die wesentliche Unterschiede zwischen einer ausländischen Qualifikation und dem deutschen Referenzberuf ausgleichen soll.

Hirschner: Richtig. Die Anpassungsqualifizierung kommt immer dann ins Spiel, wenn eine Fachkraft mit ausländischem Abschluss bereits ein Anerkennungsverfahren durchlaufen hat und – aufgrund wesentlicher Unterschiede zum deutschen Berufsbild – nur eine teilweise Gleichwertigkeit beschieden bekommen hat. Die Maßnahme dient dann dazu, die Lücken zur vollen Gleichwertigkeit zu schließen.

Rund jede/r sechste Anerkennungssuchende in Deutschland besucht eine Anpassungsqualifizierung (Quelle: BMBF).

Unternehmen Berufsanerkennung: Nun können aber ja die Unterschiede zwischen dem ausländischen Abschluss und dem deutschen Referenzberuf sehr individuell sein, gerade weil in das Anerkennungsverfahren beispielsweise auch die persönliche Berufserfahrung einfließt. Heißt das, dass die Anpassungsqualifizierung ebenso individuell ist?

Hirschner: Ja, genau. Bei einer Anpassungsqualifizierung handelt es sich immer um eine individuelle, passgenaue Qualifizierung im Anschluss an ein Anerkennungsverfahren. Wie genau sie ausgestaltet ist, bemisst sich daran, welche Fertigkeiten und Kompetenzen eine Person noch erwerben muss, um eine volle Gleichwertigkeit zu erhalten. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Anpassungsqualifizierung kann man einen Folgeantrag bei der zuständigen Stelle einreichen. Diese prüft dann, ob die wesentlichen Unterschiede ausgeglichen wurden und bescheinigt gegebenenfalls eine volle Gleichwertigkeit.

Bixler: …und genau weil die Anforderungen an eine Anpassungsqualifizierung so individuell sind, ist es besonders wichtig, dass sehr genau hingeschaut wird, was die konkrete Person benötigt. Das hängt nicht nur davon ab, über welchen ausländischen Berufsabschluss die Person verfügt und auf welche Erwerbsbiografie sie bereits zurückblicken kann, sondern auch vom sozialen und geografischen Umfeld der Person. Wir empfehlen deshalb grundsätzlich, bei der Wahl einer geeigneten Anpassungsqualifizierung die Hilfe einer Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen, beispielsweise bei der Kammer vor Ort.

Unternehmen Berufsanerkennung: Wie muss man sich denn eine Anpassungsqualifizierung vorstellen und in welchem Rahmen findet sie statt?  

Bixler: Auch das ist von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich. Grundsätzlich lassen sich aber zwei Formen von Qualifizierungsmaßnahmen unterscheiden: Betriebliche und überbetriebliche. Überbetriebliche Maßnahmen können zum Beispiel Weiterbildungskurse bei verschiedenen Trägern sein. Welche Träger da in Frage kommen, hängt vom jeweiligen Berufsbild ab. Oftmals kommen auch Unterweisungen in einer überbetrieblichen Lehrwerkstatt in Frage. Und manchmal ist auch eine Kombination verschiedener Maßnahmen – betrieblich und überbetrieblich – nötig, um dem individuellen Qualifizierungsbedarf einer Person gerecht zu werden.

Für viele Unternehmen ist die Anpassungsqualifizeriung eine Chance, neue Fachkräfte zu gewinnen…

Hirschner: Ein häufiges Beispiel für eine betriebliche Anpassungsqualifizierung sind Praktika. Besser ist es natürlich, wenn die Anpassungsqualifizierung mit einem festen Arbeitsverhältnis einhergeht: Wenn bereits ein Arbeitsverhältnis besteht, können die Maßnahmen oft einfach in den regulären Arbeitsalltag integriert werden. Bei einem Neueinstieg kann man beispielsweise die Einarbeitungszeit verlängern und dann in dem Rahmen nachqualifizieren.

Unternehmen Berufsanerkennung: Welche Chance bietet die Anpassungsqualifizierung für Unternehmen?

Hirschner: Der demografische Wandel führt bereits heute in bestimmten Branchen zu einem Mangel an qualifizierten Fachkräften, etwa bei den Berufen mit technischem Knowhow. Unternehmen sind deshalb gut beraten, zusätzliches Fachkräftepotenzial von Inhabern ausländischer Berufsabschlüsse zur Deckung des eigenen Qualifikationsbedarfs zu nutzen. Über eine Anpassungsqualifizierung können sie sich von ihrem Potenzial überzeugen und gleichzeitig auch einen Bindungsanreiz schaffen. Manche Betriebe ermöglichen Anpassungsqualifizierungen auch, um mit der resultierenden Anerkennung des Berufsabschlusses spezifische Auflagen beispielsweise öffentlicher Auftraggeber zu erfüllen oder um Kunden einen gewissen Qualitätsstandard zu signalisieren.

Ich kann Betrieben nur empfehlen offen zu sein und den Anerkennungssuchenden eine Chance zu geben, ihre Fähigkeiten zu zeigen und sich weiterzuentwickeln. Oft werden sie über viele Jahre mit einer sehr motivierten und loyalen Fachkraft belohnt.

Bixler: Die Situation der Fachkräfteengpässe wird sich mit Fortschreiten des demografischen Wandels in den kommenden Jahren ja auch noch weiter zuspitzen. Insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen wird es zukünftig schwerfallen, ihren Bedarf an fachlich gut ausgebildeten Arbeitskräften zu decken. Wie Herr Hirschner schon sagte: Umso wichtiger wird es für Unternehmen sein, wo immer es geht vorhandene Fachkräftepotenziale nutzbar zu machen. Die Anpassungsqualifizierung ist da ein sehr gutes Mittel, insbesondere, wenn sie im eigenen Betrieb durchgeführt wird. Dadurch vermindern sich nämlich die Ausfallzeiten für außerbetriebliche Weiterbildungen sowie die Qualifizierungskosten. Ebenso kann der zeitliche Rahmen der Qualifizierung individueller auf betriebliche Abläufe angepasst werden.

Unternehmen Berufsanerkennung: Mit welchen Aufwänden ist die Anpassungsqualifizierung für Unternehmen verbunden?

…oder bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Betrieb zu binden.

Bixler: Einfach formuliert kann man sagen: Der Aufwand einer betrieblichen Anpassungsqualifizierung entspricht zeitlich und personell der praktischen Vermittlung der jeweiligen Ausbildungsinhalte in der klassischen Berufsausbildung. Es ist nach unserer Erfahrung für beide Seiten sinnvoll – ähnlich wie bei einer Einstiegsqualifizierung – einen Qualifizierungsvertrag mit festgelegten Qualifizierungsbausteinen zu erstellen und beiderseitig verbindlich zu unterzeichnen.

Hirschner: Für Unternehmen ist dabei sicherlich der Anerkennungsbescheid eine große Hilfe. Er enthält ja nicht nur Informationen zur Dauer und zu den Inhalten einer ausländischen Ausbildung, sondern auch Angaben dazu, mit welchem deutschen Beruf der ausländische Abschluss vergleichbar ist. Damit haben Unternehmen dann einen Bezugsrahmen, den sie kennen. Bei einer teilweisen Gleichwertigkeit werden darüber hinaus die festgestellten Unterschiede im Anerkennungsbescheid aufgeführt. Wir in der IHK Hannover gehen sogar noch ein Stück weiter und listen die erforderlichen Inhalte in einem zusätzlichen Begleitschreiben zur Anpassungsqualifizierung detailliert auf. Mit all diesen Informationen können sich Unternehmen sehr schnell ein Bild davon machen, welcher zeitliche und personelle Aufwand mit einer Anpassungsqualifizierung verbunden ist.

Unternehmen Berufsanerkennung: Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die Unternehmen erfüllen müssen, um eine Anpassungsqualifizierung im eigenen Betrieb zu ermöglichen? Muss der Betrieb zum Beispiel ein Ausbildungsbetrieb sein?

Hirschner: Inhaltliche Unterschiede zur ausländischen Ausbildung beziehen sich immer auf Lücken im Vergleich mit der aktuellen Ausbildungsordnung bzw. dem gültigen Rahmenlehrplan. Zum Ausgleich von inhaltlichen Unterschieden ist es deshalb – anders als bei fehlender Berufspraxis – sicherlich hilfreich, wenn die Anpassungsqualifizierung in einem Ausbildungsbetrieb absolviert wird.

Bixler: Damit die Anpassungsqualifizierung erfolgreich ablaufen kann, muss der Betrieb natürlich die fehlenden bzw. zu vermittelnden Kenntnisse und Kompetenzen fachlich korrekt ausüben und auch vermitteln können. Vor dem Hintergrund ist es schon empfehlenswert, wenn der Betrieb ein Ausbildungsbetrieb ist – zwingend erforderlich ist das aber nicht.

Hirschner: Viele Betriebe bewegt auch das Thema Vergütung während der Anpassungsqualifizierung. Nach Auslegung des Bundesarbeitsministeriums werden betriebliche Anpassungsqualifizierungen im Kontext des Anerkennungsgesetzes als Pflichtpraktika gewertet und sind damit grundsätzlich von der Mindestlohnpflicht ausgenommen. Voraussetzung dafür ist, dass die Qualifizierung erforderlich ist, um die volle Anerkennung des ausländischen Abschlusses zu erreichen. Wir empfehlen unseren Betrieben sich bei diesem Thema an der Ausbildungsvergütung im dritten Ausbildungsjahr zu orientieren. Schließlich bringen Bewerber mit einer Teilanerkennung meist schon eine ganze Menge an Wissen mit.

Unternehmen Berufsanerkennung: Herr Bixler, Herr Hirschner, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Frank Bixler ist Teamleiter Projekte im Geschäftsbereich Berufsbildung bei der Handwerkskammer der Pfalz.

Arne Hirschner ist bei der IHK Hannover zuständig für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.

 

Themenreihe: Wie Unternehmen von der Anpassungsqualifizierung profitieren können

»Es ist schwer geworden, qualifizierte Auszubildende zu finden. [Im Bereich der beruflichen Anerkennung] gibt es einen Markt mit motivierten Personen, die schon über eine Grundqualifikation verfügen und ‚hungrig‘ danach sind, noch viel dazuzulernen. Die Anpassungsqualifizierung ist quasi eine Ausbildung im Schnellverfahren.«

Angelika Hemm, Personalleiterin im Le Meridién Grand Hotel Nürnberg

Vielen Fachkräfte, die ihren ausländischen Berufsabschluss in Deutschland anerkennen lassen, wird die volle Gleichwertigkeit ihrer Qualifikation mit dem deutschen Vergleichsberuf bescheinigt.¹ Ein kleinerer Teil erhält einen Bescheid über eine teilweise Gleichwertigkeit: Ihre ausländische Qualifikation weist wesentliche Unterschiede zum deutschen Berufsbild auf.

Ist das problematisch? Im Gegenteil. Die betroffenen Fachkräfte können die fehlenden Kenntnisse, Fertigkeiten bzw. Fähigkeiten nämlich im Rahmen einer sogenannten Anpassungsqualifizierung ausgleichen. Manchmal lernen sie dabei gleich ihren zukünftigen Arbeitgeber kennen – und dieser, wie das Le Meridién Grand Hotel Nürnberg, eine neue Mitarbeiterin bzw. einen neuen Mitarbeiter.

Wie genau läuft eine Anpassungsqualifizierung ab? Und warum und wie kann es sich für Unternehmen lohnen, Anpassungsqualifizierungen im eigenen Betrieb anzubieten? Um diese und weitere Fragen dreht sich unsere neue Themenreihe, in der Expertinnen und Experten aus der Anerkennungsberatung ebenso zu Wort kommen wie Unternehmen, die bereits positive Erfahrungen mit der Anpassungsqualifizierung gemacht haben.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!


¹Quelle: BIBB

Von gegenseitigem Respekt und verdienter Anerkennung

Kfz-Handwerk – das sind nicht nur die Glaspaläste der großen Autohäuser, die die Einfallsstraßen vieler deutscher Großstädte säumen. Es geht auch eine Nummer kleiner. Die Tankstelle mit Reparaturwerkstatt auf dem Land oder der kleine Kfz-Betrieb zu Hause um die Ecke. Oftmals wird in diesen freien Werkstätten noch das klassische Kfz-Handwerk gelebt, wird nicht nur ausgetauscht, sondern wenn möglich repariert. So wie bei Monika und Hartmut Henning im bergischen Velbert.

– aus der „Werkstatt 2017“, Handwerkskammer Düsseldorf

Der siebzigjährige Kfz-Meister und seine Frau führen hier seit vielen Jahren ihr eigenes Geschäft, den „Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning“. Beide in einem Alter, in dem andere sich längst aus dem Arbeitsleben verabschiedet haben, sind die Hennings auch weiterhin für ihre Stammkunden da.

Aufhören kommt für Hartmut Henning aber nicht in Frage! Seit über 40 Jahren ist er im Beruf, und das immer noch voller Begeisterung. In seinem langen Berufsleben hat er nicht nur Kraftfahrzeuge aller Art, sondern auch Mitarbeiter unterschiedlichster Couleur kennengelernt. Er weiß daher, wie schwer es ist, gute Gesellen zu finden, die auch die nötige Motivation mitbringen. Zu oft fehle ihm bei den jungen Leuten die Leidenschaft für den Beruf, so Henning.

Gesucht: Mitarbeiter mit „Rundum-Kenntnissen“

Das Glück des Tüchtigen: Mit viel Eigeninitiative fand Hossein Gohari in Deutschland schnell eine Arbeitsstelle in seinem erlernten Beruf.

Lange war Kfz-Meister Hartmut Henning deshalb schon auf der Suche nach einem passenden Mitarbeiter für den kleinen Betrieb. Durch seine jahrzehntelange Berufserfahrung kann er die verschiedensten handwerklichen Dienstleistungen für alle Arten von Kraftfahrzeugen anbieten. Daher wünschte er sich als Unterstützung eine Fachkraft, die ebenfalls über sehr breite Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt. Genau dieses anspruchsvolle Anforderungsprofil hatte er im Hinterkopf, als sich vor gut eineinhalb Jahren ein junger Mann aus dem Iran bei ihm vorstellte und in gebrochenem Deutsch nach einer Anstellung als Kfz-Mechatroniker fragte.

Hossein Moshaadaeh Gohari ist zu diesem Zeitpunkt erst seit gut zwei Wochen in Deutschland. Der Liebe wegen hatte es ihn ins Bergische verschlagen. Die Familie seiner Frau lebt in Velbert. Nun will er unbedingt arbeiten. Und das in seinem erlernten Beruf und nicht als Hilfsarbeiter in der Fabrik, wie ihm dies die örtliche Arbeitsagentur vorschlug. Auf eigene Faust beginnt er, sich bei den Kfz-Werkstätten in der Umgebung persönlich vorzustellen und seine Bewerbungsunterlagen zu verteilen – so auch beim Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning. Hier erkannte man schnell das Potential des jungen Iraners.

Ein Bewerber mit viel Eigeninitiative

Die Bewerbungsunterlagen und der vielseitige berufliche Lebenslauf des 28-Jährigen weckten sofort das Interesse des erfahrenen Kfz-Meisters. Dieser positive erste Eindruck bestätigte sich bei einem Probearbeitstag. Um die iranische Fachkraft noch besser kennenzulernen, bot Hartmut Henning ihm nun ein zweiwöchiges Praktikum an.

Monika Hennings anfängliche Zweifel, wie das mit so geringen Sprachkenntnissen in der Werkstatt funktionieren könnte, stellten sich schnell als unbegründet heraus. Die Verständigung klappte mit Händen und Füßen, und die Deutschkenntnisse wurden von Tag zu Tag besser. Und was noch wichtiger war: Sowohl fachlich als auch auf der menschlichen Ebene überzeugte der junge Migrant seinen deutschen Arbeitgeber voll und ganz. Nach zwei Wochen stand deshalb fest, dass er der gesuchte neue Mitarbeiter ist: „Hossein Gohari bringt das Wissen und all die Eigenschaften mit, die ich mir von einem Mitarbeiter immer gewünscht habe. Er ist nett, immer höflich, hat noch keinen Tag gefehlt und beherrscht vor allem noch das Reparieren.“

Chefin Monika Henning ist zufrieden: Ihr Kfz-Meisterbetrieb hat mit Hossein Gohari den idealen Mitarbeiter gefunden.

Auch Monika Henning ist voll des Lobes für den zurückhaltenden und sympathischen jungen Kfz-Fachmann. Dass man sich gut versteht, ist gerade für eine kleine Werkstatt wichtig, die in erster Linie von ihrer Stammkundschaft und Mund-zu-Mund-Propaganda lebt. Und wer Verkaufsraum oder Werkstatt betritt, merkt das sofort. Im Iran geboren und aufgewachsen, absolvierte Hossein Gohari dort zunächst drei Jahre die technische Oberschule und besuchte dann zwei Jahre lang eine technische Berufsfachschule. Damit verfügte er über ein breites – insbesondere theoretisches – Wissen im Bereich Kfz-Mechatronik. Die praktische Berufserfahrung erlangte er vor allem über seine Arbeit bei Vertragswerkstätten von Peugeot, Hyundai und KIA Motors im Iran.

Vor vier Jahren verließ Hossein Gohari seine Heimat, um im Ausland Berufserfahrungen zu sammeln. Sein Weg führte ihn in die Ukraine, wo er bei einer Toyota-Vertragswerkstatt tätig war. Hier lernte er seine Frau kennen, mit der er dann nach Deutschland kam. Auch in der neuen Heimat war es von Beginn an seine oberste Priorität, wieder als Kfz-Mechatroniker zu arbeiten. Schon während Hossein Gohari sein Praktikum im Betrieb machte, erkundigte sich Hartmut Henning nach einer Möglichkeit, dessen iranische Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen. Für den Kfz-Meister war es wichtig, eine offizielle Bestätigung zu haben, dass die Qualifikationen seines neuen Mitarbeiters den deutschen Anforderungen an einen Kfz-Mechatroniker auf Gesellenebene entsprechen. Er wandte sich deshalb an die Kreishandwerkerschaft Mettmann, um zu erfahren, wer der richtige Ansprechpartner für ihn sei. Diese verwies ihn an die Handwerkskammer Düsseldorf, seit Inkrafttreten des sogenannten „Anerkennungsgesetzes“ Anfang 2012 zuständige Stelle für Anerkennungsverfahren. Seinen Mitarbeiter motivierte der Kfz-Meister daraufhin, einen Antrag zu stellen, und rüstete ihn gleich mit einem ausführlichen Arbeitszeugnis aus.

Volle Gleichwertigkeit

Von seinem Geburtsort Teheran führte den jungen Iraner sein Weg über die Ukraine ins bergische Velbert.

Der Iraner nahm den Ball auf und stellte bei der Handwerkskammer Düsseldorf eigenständig einen Antrag auf Anerkennung seiner Berufsabschlüsse. Begleitet und unterstützt von der Anerkennungsberatung der Kammer, verlief das Verfahren unkompliziert, und Hossein Gohari wurde nach kurzer Zeit die „volle Gleichwertigkeit“ seiner fachlichen Kenntnisse mit dem deutschen Gesellenbrief bescheinigt. Die volle Anerkennung seiner iranischen Berufsqualifikationen zu erhalten, war nicht nur für Gohari selbst eine wichtige Bestätigung. Auch Hartmut Henning resümiert: „Ich würde das Anerkennungsverfahren jedem Betrieb, der Mitarbeiter hat oder Bewerber einstellen möchte, die ihre Berufsausbildung im Ausland durchlaufen haben, uneingeschränkt weiterempfehlen.“

Das Anerkennungsverfahren verschafft sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern Klarheit darüber, wie die ausländischen Qualifikationen zu bewerten sind. Läuft es optimal, wie im Fall von Hossein Gohari, liegen die Vorteile für alle Seiten auf der Hand: Festanstellung mit der Sicherheit eines qualifizierten Abschlusses, Weiterbildungs- und Aufstiegsperspektiven für den Arbeitnehmer, Fachkräfte- und Nachwuchssicherung für den Unternehmer. Der Kfz-Meister aus Velbert jedenfalls ist hochzufrieden mit seiner neuen Fachkraft und unterstützt ihn daher auch beim nächsten Schritt, der nach der Anerkennung nun möglich ist: die Fortbildung zum Meister.

Voller Tatendrang besucht Hossein Gohari seit Januar 2017 die Meisterschule in Abendform und arbeitet natürlich auch weiter hart an seinen Deutschkenntnissen.


Titelbild: Hossein Moshaadaeh Gohari in der Werkstatt des Kfz-Meisterbetriebs Monika Henning.

Bildrechte (alle Bilder): Handwerkskammer Düsseldorf

In 4 Schritten verborgene Fachkräftepotenziale heben

In vielen Betrieben „schlummern“ verborgene Fachkräftepotenziale: Beschäftigte, die im Ausland eine Berufsausbildung absolviert, sie aber bisher nicht anerkennen lassen haben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese „verborgenen Schätze“ in 4 einfachen Schritten heben können.

Schritt 1: Bestandsaufnahme machen

Sie vermuten, dass der ein oder die andere Ihrer Mitarbeitenden über einen bisher nicht anerkannten ausländischen Berufsabschluss verfügt? Dann lohnt sich im ersten Schritt ein Blick in die Personalakte. Oft finden sich hier bereits entsprechende Qualifikationsnachweise.

Es kommt jedoch auch vor, dass Mitarbeitende bei ihrer Bewerbung nicht alle Qualifikationsnachweise einreichen, z.B. weil sie denken, dass ihr fremdsprachiges Zeugnis in Deutschland wertlos sei. Fragen Sie die Person in einem persönlichen Gespräch direkt nach möglichen Qualifikationen.

 

Schritt 2: Vorbereitungen treffen

Wenn eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter über nicht anerkannte ausländischen Berufsqualifikationen verfügt  und Sie sich vorstellen können, sie als anerkannte Fachkraft in ihrem Beruf zu beschäftigen, stellen sich folgende Fragen:

  • Wie funktioniert die berufliche Anerkennung?
  • Wer ist zuständig?
  • Wie lange dauert das Verfahren und was kostet es?
  • Welche Dokumente und Nachweise werden benötigt?

Hierbei können Ihnen unsere Informationsbroschüren für Handwerks– und für IHK-Betriebe helfen.

Es ist außerdem sinnvoll, sich schon im Vorfeld des Gespräches Gedanken darüber zu machen, ob und wie Sie die Person im Rahmen der Berufsanerkennung unterstützen möchten bzw. können (z.B. Freistellung, Begleitung zu Terminen, Finanzierungshilfe).

Schritt 3: Das Gespräch suchen

Wenn diese Fragen geklärt sind, ist es Zeit, das direkte Gespräch mit der Person zu suchen. Darin sollten Sie einerseits vermitteln, welche Ziele Sie selbst mit der beruflichen Anerkennung verbinden (z.B. Einsatz als qualifizierte Fachkraft), andererseits aber auch verdeutlichen, welche Chancen das für Ihren Mitarbeiter bzw. Ihre Mitarbeitern bietet (z.B. neue, verantwortungsvollere Tätigkeiten, eine bessere Bezahlung und/oder Aufstiegsperspektiven). Fragen Sie auch nach den Erwartungen des Mitarbeitenden und machen Sie klar, welche Erwartungen Sie erfüllen können und welche nicht.

Es ist gut möglich, dass die Person im Gespräch zum ersten Mal von der Berufsanerkennung hört. Vielleicht hat sie direkt ein „Prüfungsszenario“ im Kopf und reagiert im ersten Moment eher zurückhaltend. Darum signalisieren Sie am besten gleich Ihre Unterstützung, beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen oder beim Zusammentragen von Unterlagen. So machen Sie deutlich, dass Sie Ihrer Mitarbeiterin bzw. ihrem Mitarbeiter im Anerkennungsverfahren zur Seite stehen.

4. Einen Erstberatungstermin vereinbaren

Nach dem Gespräch sollten Sie der Person erst einmal Gelegenheit haben, sich das Angebot durch den Kopf gehen lassen. Vereinbaren Sie am besten direkt ein Folgegespräch innerhalb der nächsten 14 Tage.

Willigt die Person im Folgegespräch ein, ihren Berufsabschluss anerkennen zu lassen, empfehlen wir Ihnen, einen gemeinsamen Termin bei einer sogenannten Anerkennungsberatung zu vereinbaren. Eine Übersicht über die verschiedenen Anbieter haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Im Erstberatungstermin klären Sie, welche Unterlagen benötigt und die nächsten Schritte aussehen werden. Anschließend stellen Sie den Antrag und der Prozess beginnt. Die Fachleute der Beratungsstellen stehen Ihnen auch dann mit Rat und Tat zur Seite und helfen, Ihre Mitarbeiterin bzw. Ihren Mitarbeiter auf seinem Weg zur neuen Fachkraft in Ihrem Unternehmen zu begleiten.

3 Gründe im eigenen Betrieb nach verborgenen Fachkräftepotenzialen zu suchen

Für viele Unternehmen wird es zunehmend schwerer, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Gleichzeitig arbeiten viele ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, obwohl sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Die Berufsanerkennung kann dabei helfen, diese versteckten Fachkräftepotenziale sicht- und nutzbar zu machen.

3 Gründe, warum es sich für Unternehmen lohnt, hier genauer hinzusehen:

1.  Die Berufsanerkennung ist kosteneffizient

Von der Ausschreibung bis zur Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters bzw. einer neuen Mitarbeiterin in einer mittleren Einkommensklasse investieren Unternehmen durchschnittlich rund 23.000 Euro. Das Anerkennungsverfahren ist deutlich preiswerter zu haben, selbst wenn zu den Gebühren (100 bis 600 Euro) weitere Kosten für Übersetzungen oder ähnliches hinzukommen. Seit November 2016 besteht zudem in vielen Fällen die Möglichkeit, einen Teil der Kosten über den Anerkennungszuschuss des Bundes abzudecken.

2. Der Betrieb kennt die Fachkraft bereits – und die Fachkraft den Betrieb

Wenn Unternehmen eine neue Fachkraft einstellen, erhalten sie lediglich einen ersten Eindruck der Person. Wichtige Faktoren wie die persönliche Einsatzbereitschaft, die Teamfähigkeit und die sogenannten „Soft Skills“ lassen sich meist erst später beurteilen. Aber auch die Fachkraft kann im Regelfall erst weit nach Ihrer Einstellung sicher sagen, ob sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wirklich wohl fühlt und bereit ist, sich längerfristig an den Betrieb zu binden. Anders verhält es sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits im Betrieb arbeiten: Sie kennen den Betrieb bereits  und der Betrieb kennt sie!

3. Berufsanerkennung ist immer auch Mitarbeiterbindung

Rund 90 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es sehr wichtig , dass ihre beruflichen Fähigkeiten angemessen genutzt werden¹. Wenn Sie Ihren Beschäftigten durch die Berufsanerkennung ermöglichen, ihr Fachkräftepotenzial zu entfalten, ist das auch ein Zeichen der Wertschätzung und trägt so zur Mitarbeiterbindung bei!


¹ Quelle: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW)

Themenreihe: „Verborgene Fachkräftepotenziale im eigenen Betrieb aufspüren“

Bewerbungsverfahren kosten viel Zeit und Geld und führen trotzdem nicht immer zum gewünschten Erfolg. Andererseits arbeiten in vielen Firmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland in Helfertätigkeiten, obwohl sie über Fachabschlüsse aus ihren Herkunftsländern verfügen. Es lohnt sich deshalb genauer hinzusehen, ob Beschäftigte solche »verborgenen« Qualifikationen besitzen. Durch ein berufliches Anerkennungsverfahren bekommen Sie Klarheit über die tatsächlichen Kenntnisse und Kompetenzen und können möglicherweise eine Stelle intern besetzen.

In unserer Themenreihe zeigen wir Ihnen, wie Sie mit Hilfe der beruflichen Anerkennung versteckte Fachkräftepotenziale in Ihrem Betrieb erfolgreich heben können und lassen Unternehmen zu Wort kommen, die diesen Weg bereits erfolgreich gegangen sind.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter, lassen Sie sich inspirieren, und diskutieren Sie mit uns über Ihre Erfahrungen und Ideen – wir freuen uns auf Sie!

Wie sieht ein Anerkennungsbescheid aus? Ein Beispiel aus dem Bereich der IHK FOSA.

Nicht nur im Handwerk erhalten immer mehr Unternehmen Bewerbungen mit beigefügtem Anerkennungsbescheid – auch im Bereich der IHK-Betriebe wächst die Zahl der Berufsanerkennungen stetig: Zwischen 2012 und 2016 haben mehr als 86.000 Menschen bei der IHK FOSA, die als Zentralstelle die Anerkennungsprüfung für fast alle Industrie- und Handelskammern durchführt, die Anerkennung ihres ausländischen Berufsabschlusses beantragt¹.

Grund genug, dass wir uns heute einen typischen Anerkennungsbescheid der IHK FOSA einmal näher ansehen wollen.

Die Qualifikationen präzise abbilden

Ebenso wie im Handwerk folgen auch die Anerkennungsbescheide der IHK FOSA einem immer gleichen Grundaufbau, mit dem die individuellen beruflichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten des bzw. der Antragstellenden präzise angebildet werden:

  • Der Bescheid legt dar, wann und wo der oder die Antragstellende seinen ausländischen Berufsabschluss erworben hat.
  • Er führt einschlägige Berufserfahrungen und zusätzliche Qualifikationsnachweise auf.
  • Wenn es relevante Unterschiede zwischen dem ausländischen Berufsabschluss und dem deutschen Referenzberuf gibt, werden diese detailliert aufgelistet.

Klicken Sie auf die einzelnen Bilder, um sich einen typischen Anerkennungsbescheid im Vollbildmodus erläutern zu lassen.

Anerkennungsbescheid der IHK FOSA (Beispiel)

 

Unser Beispielbescheid stammt von einer Fachkraft, die in Ägypten eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert hat und bereits über erste einschlägige Berufserfahrung verfügt. Die IHK FOSA bescheinigte der Fachkraft die volle Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung mit dem deutschen Referenzberuf.


¹Quelle: IHK FOSA