Unternehmen Berufsanerkennung

Von gegenseitigem Respekt und verdienter Anerkennung

Kfz-Handwerk – das sind nicht nur die Glaspaläste der großen Autohäuser, die die Einfallsstraßen vieler deutscher Großstädte säumen. Es geht auch eine Nummer kleiner. Die Tankstelle mit Reparaturwerkstatt auf dem Land oder der kleine Kfz-Betrieb zu Hause um die Ecke. Oftmals wird in diesen freien Werkstätten noch das klassische Kfz-Handwerk gelebt, wird nicht nur ausgetauscht, sondern wenn möglich repariert. So wie bei Monika und Hartmut Henning im bergischen Velbert.

– aus der „Werkstatt 2017“, Handwerkskammer Düsseldorf

Der siebzigjährige Kfz-Meister und seine Frau führen hier seit vielen Jahren ihr eigenes Geschäft, den „Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning“. Beide in einem Alter, in dem andere sich längst aus dem Arbeitsleben verabschiedet haben, sind die Hennings auch weiterhin für ihre Stammkunden da.

Aufhören kommt für Hartmut Henning aber nicht in Frage! Seit über 40 Jahren ist er im Beruf, und das immer noch voller Begeisterung. In seinem langen Berufsleben hat er nicht nur Kraftfahrzeuge aller Art, sondern auch Mitarbeiter unterschiedlichster Couleur kennengelernt. Er weiß daher, wie schwer es ist, gute Gesellen zu finden, die auch die nötige Motivation mitbringen. Zu oft fehle ihm bei den jungen Leuten die Leidenschaft für den Beruf, so Henning.

Gesucht: Mitarbeiter mit „Rundum-Kenntnissen“

Das Glück des Tüchtigen: Mit viel Eigeninitiative fand Hossein Gohari in Deutschland schnell eine Arbeitsstelle in seinem erlernten Beruf.

Lange war Kfz-Meister Hartmut Henning deshalb schon auf der Suche nach einem passenden Mitarbeiter für den kleinen Betrieb. Durch seine jahrzehntelange Berufserfahrung kann er die verschiedensten handwerklichen Dienstleistungen für alle Arten von Kraftfahrzeugen anbieten. Daher wünschte er sich als Unterstützung eine Fachkraft, die ebenfalls über sehr breite Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt. Genau dieses anspruchsvolle Anforderungsprofil hatte er im Hinterkopf, als sich vor gut eineinhalb Jahren ein junger Mann aus dem Iran bei ihm vorstellte und in gebrochenem Deutsch nach einer Anstellung als Kfz-Mechatroniker fragte.

Hossein Moshaadaeh Gohari ist zu diesem Zeitpunkt erst seit gut zwei Wochen in Deutschland. Der Liebe wegen hatte es ihn ins Bergische verschlagen. Die Familie seiner Frau lebt in Velbert. Nun will er unbedingt arbeiten. Und das in seinem erlernten Beruf und nicht als Hilfsarbeiter in der Fabrik, wie ihm dies die örtliche Arbeitsagentur vorschlug. Auf eigene Faust beginnt er, sich bei den Kfz-Werkstätten in der Umgebung persönlich vorzustellen und seine Bewerbungsunterlagen zu verteilen – so auch beim Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning. Hier erkannte man schnell das Potential des jungen Iraners.

Ein Bewerber mit viel Eigeninitiative

Die Bewerbungsunterlagen und der vielseitige berufliche Lebenslauf des 28-Jährigen weckten sofort das Interesse des erfahrenen Kfz-Meisters. Dieser positive erste Eindruck bestätigte sich bei einem Probearbeitstag. Um die iranische Fachkraft noch besser kennenzulernen, bot Hartmut Henning ihm nun ein zweiwöchiges Praktikum an.

Monika Hennings anfängliche Zweifel, wie das mit so geringen Sprachkenntnissen in der Werkstatt funktionieren könnte, stellten sich schnell als unbegründet heraus. Die Verständigung klappte mit Händen und Füßen, und die Deutschkenntnisse wurden von Tag zu Tag besser. Und was noch wichtiger war: Sowohl fachlich als auch auf der menschlichen Ebene überzeugte der junge Migrant seinen deutschen Arbeitgeber voll und ganz. Nach zwei Wochen stand deshalb fest, dass er der gesuchte neue Mitarbeiter ist: „Hossein Gohari bringt das Wissen und all die Eigenschaften mit, die ich mir von einem Mitarbeiter immer gewünscht habe. Er ist nett, immer höflich, hat noch keinen Tag gefehlt und beherrscht vor allem noch das Reparieren.“

Chefin Monika Henning ist zufrieden: Ihr Kfz-Meisterbetrieb hat mit Hossein Gohari den idealen Mitarbeiter gefunden.

Auch Monika Henning ist voll des Lobes für den zurückhaltenden und sympathischen jungen Kfz-Fachmann. Dass man sich gut versteht, ist gerade für eine kleine Werkstatt wichtig, die in erster Linie von ihrer Stammkundschaft und Mund-zu-Mund-Propaganda lebt. Und wer Verkaufsraum oder Werkstatt betritt, merkt das sofort. Im Iran geboren und aufgewachsen, absolvierte Hossein Gohari dort zunächst drei Jahre die technische Oberschule und besuchte dann zwei Jahre lang eine technische Berufsfachschule. Damit verfügte er über ein breites – insbesondere theoretisches – Wissen im Bereich Kfz-Mechatronik. Die praktische Berufserfahrung erlangte er vor allem über seine Arbeit bei Vertragswerkstätten von Peugeot, Hyundai und KIA Motors im Iran.

Vor vier Jahren verließ Hossein Gohari seine Heimat, um im Ausland Berufserfahrungen zu sammeln. Sein Weg führte ihn in die Ukraine, wo er bei einer Toyota-Vertragswerkstatt tätig war. Hier lernte er seine Frau kennen, mit der er dann nach Deutschland kam. Auch in der neuen Heimat war es von Beginn an seine oberste Priorität, wieder als Kfz-Mechatroniker zu arbeiten. Schon während Hossein Gohari sein Praktikum im Betrieb machte, erkundigte sich Hartmut Henning nach einer Möglichkeit, dessen iranische Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen. Für den Kfz-Meister war es wichtig, eine offizielle Bestätigung zu haben, dass die Qualifikationen seines neuen Mitarbeiters den deutschen Anforderungen an einen Kfz-Mechatroniker auf Gesellenebene entsprechen. Er wandte sich deshalb an die Kreishandwerkerschaft Mettmann, um zu erfahren, wer der richtige Ansprechpartner für ihn sei. Diese verwies ihn an die Handwerkskammer Düsseldorf, seit Inkrafttreten des sogenannten „Anerkennungsgesetzes“ Anfang 2012 zuständige Stelle für Anerkennungsverfahren. Seinen Mitarbeiter motivierte der Kfz-Meister daraufhin, einen Antrag zu stellen, und rüstete ihn gleich mit einem ausführlichen Arbeitszeugnis aus.

Volle Gleichwertigkeit

Von seinem Geburtsort Teheran führte den jungen Iraner sein Weg über die Ukraine ins bergische Velbert.

Der Iraner nahm den Ball auf und stellte bei der Handwerkskammer Düsseldorf eigenständig einen Antrag auf Anerkennung seiner Berufsabschlüsse. Begleitet und unterstützt von der Anerkennungsberatung der Kammer, verlief das Verfahren unkompliziert, und Hossein Gohari wurde nach kurzer Zeit die „volle Gleichwertigkeit“ seiner fachlichen Kenntnisse mit dem deutschen Gesellenbrief bescheinigt. Die volle Anerkennung seiner iranischen Berufsqualifikationen zu erhalten, war nicht nur für Gohari selbst eine wichtige Bestätigung. Auch Hartmut Henning resümiert: „Ich würde das Anerkennungsverfahren jedem Betrieb, der Mitarbeiter hat oder Bewerber einstellen möchte, die ihre Berufsausbildung im Ausland durchlaufen haben, uneingeschränkt weiterempfehlen.“

Das Anerkennungsverfahren verschafft sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern Klarheit darüber, wie die ausländischen Qualifikationen zu bewerten sind. Läuft es optimal, wie im Fall von Hossein Gohari, liegen die Vorteile für alle Seiten auf der Hand: Festanstellung mit der Sicherheit eines qualifizierten Abschlusses, Weiterbildungs- und Aufstiegsperspektiven für den Arbeitnehmer, Fachkräfte- und Nachwuchssicherung für den Unternehmer. Der Kfz-Meister aus Velbert jedenfalls ist hochzufrieden mit seiner neuen Fachkraft und unterstützt ihn daher auch beim nächsten Schritt, der nach der Anerkennung nun möglich ist: die Fortbildung zum Meister.

Voller Tatendrang besucht Hossein Gohari seit Januar 2017 die Meisterschule in Abendform und arbeitet natürlich auch weiter hart an seinen Deutschkenntnissen.


Titelbild: Hossein Moshaadaeh Gohari in der Werkstatt des Kfz-Meisterbetriebs Monika Henning.

Bildrechte (alle Bilder): Handwerkskammer Düsseldorf

In 4 Schritten verborgene Fachkräftepotenziale heben

In vielen Betrieben „schlummern“ verborgene Fachkräftepotenziale: Beschäftigte, die im Ausland eine Berufsausbildung absolviert, sie aber bisher nicht anerkennen lassen haben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese „verborgenen Schätze“ in 4 einfachen Schritten heben können.

Schritt 1: Bestandsaufnahme machen

Sie vermuten, dass der ein oder die andere Ihrer Mitarbeitenden über einen bisher nicht anerkannten ausländischen Berufsabschluss verfügt? Dann lohnt sich im ersten Schritt ein Blick in die Personalakte. Oft finden sich hier bereits entsprechende Qualifikationsnachweise.

Es kommt jedoch auch vor, dass Mitarbeitende bei ihrer Bewerbung nicht alle Qualifikationsnachweise einreichen, z.B. weil sie denken, dass ihr fremdsprachiges Zeugnis in Deutschland wertlos sei. Fragen Sie die Person in einem persönlichen Gespräch direkt nach möglichen Qualifikationen.

 

Schritt 2: Vorbereitungen treffen

Wenn eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter über nicht anerkannte ausländischen Berufsqualifikationen verfügt  und Sie sich vorstellen können, sie als anerkannte Fachkraft in ihrem Beruf zu beschäftigen, stellen sich folgende Fragen:

  • Wie funktioniert die berufliche Anerkennung?
  • Wer ist zuständig?
  • Wie lange dauert das Verfahren und was kostet es?
  • Welche Dokumente und Nachweise werden benötigt?

Hierbei können Ihnen unsere Informationsbroschüren für Handwerks– und für IHK-Betriebe helfen.

Es ist außerdem sinnvoll, sich schon im Vorfeld des Gespräches Gedanken darüber zu machen, ob und wie Sie die Person im Rahmen der Berufsanerkennung unterstützen möchten bzw. können (z.B. Freistellung, Begleitung zu Terminen, Finanzierungshilfe).

Schritt 3: Das Gespräch suchen

Wenn diese Fragen geklärt sind, ist es Zeit, das direkte Gespräch mit der Person zu suchen. Darin sollten Sie einerseits vermitteln, welche Ziele Sie selbst mit der beruflichen Anerkennung verbinden (z.B. Einsatz als qualifizierte Fachkraft), andererseits aber auch verdeutlichen, welche Chancen das für Ihren Mitarbeiter bzw. Ihre Mitarbeitern bietet (z.B. neue, verantwortungsvollere Tätigkeiten, eine bessere Bezahlung und/oder Aufstiegsperspektiven). Fragen Sie auch nach den Erwartungen des Mitarbeitenden und machen Sie klar, welche Erwartungen Sie erfüllen können und welche nicht.

Es ist gut möglich, dass die Person im Gespräch zum ersten Mal von der Berufsanerkennung hört. Vielleicht hat sie direkt ein „Prüfungsszenario“ im Kopf und reagiert im ersten Moment eher zurückhaltend. Darum signalisieren Sie am besten gleich Ihre Unterstützung, beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen oder beim Zusammentragen von Unterlagen. So machen Sie deutlich, dass Sie Ihrer Mitarbeiterin bzw. ihrem Mitarbeiter im Anerkennungsverfahren zur Seite stehen.

4. Einen Erstberatungstermin vereinbaren

Nach dem Gespräch sollten Sie der Person erst einmal Gelegenheit haben, sich das Angebot durch den Kopf gehen lassen. Vereinbaren Sie am besten direkt ein Folgegespräch innerhalb der nächsten 14 Tage.

Willigt die Person im Folgegespräch ein, ihren Berufsabschluss anerkennen zu lassen, empfehlen wir Ihnen, einen gemeinsamen Termin bei einer sogenannten Anerkennungsberatung zu vereinbaren. Eine Übersicht über die verschiedenen Anbieter haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Im Erstberatungstermin klären Sie, welche Unterlagen benötigt und die nächsten Schritte aussehen werden. Anschließend stellen Sie den Antrag und der Prozess beginnt. Die Fachleute der Beratungsstellen stehen Ihnen auch dann mit Rat und Tat zur Seite und helfen, Ihre Mitarbeiterin bzw. Ihren Mitarbeiter auf seinem Weg zur neuen Fachkraft in Ihrem Unternehmen zu begleiten.

3 Gründe im eigenen Betrieb nach verborgenen Fachkräftepotenzialen zu suchen

Für viele Unternehmen wird es zunehmend schwerer, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Gleichzeitig arbeiten viele ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, obwohl sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Die Berufsanerkennung kann dabei helfen, diese versteckten Fachkräftepotenziale sicht- und nutzbar zu machen.

3 Gründe, warum es sich für Unternehmen lohnt, hier genauer hinzusehen:

1.  Die Berufsanerkennung ist kosteneffizient

Von der Ausschreibung bis zur Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters bzw. einer neuen Mitarbeiterin in einer mittleren Einkommensklasse investieren Unternehmen durchschnittlich rund 23.000 Euro. Das Anerkennungsverfahren ist deutlich preiswerter zu haben, selbst wenn zu den Gebühren (100 bis 600 Euro) weitere Kosten für Übersetzungen oder ähnliches hinzukommen. Seit November 2016 besteht zudem in vielen Fällen die Möglichkeit, einen Teil der Kosten über den Anerkennungszuschuss des Bundes abzudecken.

2. Der Betrieb kennt die Fachkraft bereits – und die Fachkraft den Betrieb

Wenn Unternehmen eine neue Fachkraft einstellen, erhalten sie lediglich einen ersten Eindruck der Person. Wichtige Faktoren wie die persönliche Einsatzbereitschaft, die Teamfähigkeit und die sogenannten „Soft Skills“ lassen sich meist erst später beurteilen. Aber auch die Fachkraft kann im Regelfall erst weit nach Ihrer Einstellung sicher sagen, ob sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wirklich wohl fühlt und bereit ist, sich längerfristig an den Betrieb zu binden. Anders verhält es sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits im Betrieb arbeiten: Sie kennen den Betrieb bereits  und der Betrieb kennt sie!

3. Berufsanerkennung ist immer auch Mitarbeiterbindung

Rund 90 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es sehr wichtig , dass ihre beruflichen Fähigkeiten angemessen genutzt werden¹. Wenn Sie Ihren Beschäftigten durch die Berufsanerkennung ermöglichen, ihr Fachkräftepotenzial zu entfalten, ist das auch ein Zeichen der Wertschätzung und trägt so zur Mitarbeiterbindung bei!


¹ Quelle: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW)

Themenreihe: „Verborgene Fachkräftepotenziale im eigenen Betrieb aufspüren“

Bewerbungsverfahren kosten viel Zeit und Geld und führen trotzdem nicht immer zum gewünschten Erfolg. Andererseits arbeiten in vielen Firmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland in Helfertätigkeiten, obwohl sie über Fachabschlüsse aus ihren Herkunftsländern verfügen. Es lohnt sich deshalb genauer hinzusehen, ob Beschäftigte solche »verborgenen« Qualifikationen besitzen. Durch ein berufliches Anerkennungsverfahren bekommen Sie Klarheit über die tatsächlichen Kenntnisse und Kompetenzen und können möglicherweise eine Stelle intern besetzen.

In unserer Themenreihe zeigen wir Ihnen, wie Sie mit Hilfe der beruflichen Anerkennung versteckte Fachkräftepotenziale in Ihrem Betrieb erfolgreich heben können und lassen Unternehmen zu Wort kommen, die diesen Weg bereits erfolgreich gegangen sind.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter, lassen Sie sich inspirieren, und diskutieren Sie mit uns über Ihre Erfahrungen und Ideen – wir freuen uns auf Sie!

Wie sieht ein Anerkennungsbescheid aus? Ein Beispiel aus dem Bereich der IHK FOSA.

Nicht nur im Handwerk erhalten immer mehr Unternehmen Bewerbungen mit beigefügtem Anerkennungsbescheid – auch im Bereich der IHK-Betriebe wächst die Zahl der Berufsanerkennungen stetig: Zwischen 2012 und 2016 haben mehr als 86.000 Menschen bei der IHK FOSA, die als Zentralstelle die Anerkennungsprüfung für fast alle Industrie- und Handelskammern durchführt, die Anerkennung ihres ausländischen Berufsabschlusses beantragt¹.

Grund genug, dass wir uns heute einen typischen Anerkennungsbescheid der IHK FOSA einmal näher ansehen wollen.

Die Qualifikationen präzise abbilden

Ebenso wie im Handwerk folgen auch die Anerkennungsbescheide der IHK FOSA einem immer gleichen Grundaufbau, mit dem die individuellen beruflichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten des bzw. der Antragstellenden präzise angebildet werden:

  • Der Bescheid legt dar, wann und wo der oder die Antragstellende seinen ausländischen Berufsabschluss erworben hat.
  • Er führt einschlägige Berufserfahrungen und zusätzliche Qualifikationsnachweise auf.
  • Wenn es relevante Unterschiede zwischen dem ausländischen Berufsabschluss und dem deutschen Referenzberuf gibt, werden diese detailliert aufgelistet.

Klicken Sie auf die einzelnen Bilder, um sich einen typischen Anerkennungsbescheid im Vollbildmodus erläutern zu lassen.

Anerkennungsbescheid der IHK FOSA (Beispiel)

 

Unser Beispielbescheid stammt von einer Fachkraft, die in Ägypten eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert hat und bereits über erste einschlägige Berufserfahrung verfügt. Die IHK FOSA bescheinigte der Fachkraft die volle Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung mit dem deutschen Referenzberuf.


¹Quelle: IHK FOSA

Wie sieht ein Anerkennungsbescheid aus? Ein Beispiel aus dem Bereich des Handwerks.

Rund 50.000 Menschen haben sich seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes 2012 zur Berufsanerkennung bei einer Handwerkskammer beraten lassen¹. Kein Wunder also, dass immer mehr Betriebe Bewerbungen mit einem beigefügten Anerkennungsbescheid erhalten. Doch nicht jeder weiß – wie Arthur Rothermann – auf Anhieb etwas mit dem Dokument anzufangen. Grund genug, dass wir heute mal einen typischen Anerkennungsbescheid einer Handwerkskammer unter die Lupe nehmen wollen.

»Den« Anerkennungsbescheid gibt es nicht.

Ein Anerkennungsbescheid enthält zahlreiche Informationen, so etwa:

  • zur Berufsausbildung: Wann und wo hat die oder der Antragstellende im seinen Berufsabschluss im Ausland erworben? Etc.
  • Angaben zu einschlägiger Berufserfahrung und Qualifikationsnachweisen

Das macht den Anerkennungsbescheid zu einem individuellen Dokument, das die persönlichen Kenntnisse und Fertigkeiten einer Fachkraft präzise abbildet. Im Aufbau aber folgen Anerkennungsbescheide stets der gleichen Grundstruktur. Klicken Sie auf die einzelnen Bilder, um sich einen typischen Anerkennungsbescheid im Vollbildmodus erläutern zu lassen.

Anerkennungsbescheid der Handwerkskammern (Beispiel)

 

In unserem Beispielbescheid geht es um eine Fachkraft, die in Polen eine Ausbildung zum Maler/Tapezierer absolviert hat und bereits über mehrjährige Berufserfahrung verfügt. Da sie mit den eingereichten Unterlagen nicht die volle Gleichwertigkeit ihres Abschlusses mit dem deutschen Referenzberuf belegen konnte, wurde zunächst eine teilweise Gleichwertigkeit beschieden.  Im Rahmen eines Fachgesprächs mit einem Sachverständigen konnte die Fachkraft anschließend die volle Gleichwertigkeit ihrer Qualifikation mit dem deutschen Berufsbild unter Beweis stellen.


¹ Bundesministerium für Bildung und Forschung: Bericht zum Anerkennungsgesetz 2017.

Themenreihe: Den Anerkennungsbescheid verstehen

»Wir haben eine Bewerbung von einem türkischstämmigen Mann erhalten. Ihr lag ein Anerkennungsbescheid der Handwerkskammer Hamburg bei, der ihm die volle Gleichwertigkeit mit dem Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik attestierte. Für uns war das ein klares Zeichen, dass der Bewerber sein Metier beherrscht.« Arthur Rothermann GmbH & Co. KG

Immer mehr Unternehmen erhalten Bewerbungen, denen ein Anerkennungsbescheid beiliegt. Anders als Arthur Rothermann weiß jedoch nicht jeder auf Anhieb etwas mit dem Dokument anzufangen. Darum widmen wir unsere neue Themenreihe dem Anerkennungsbescheid.

Wer seinen Berufsabschluss in Deutschland anerkennen lässt, erhält als Ergebnis des Verfahrens einen Anerkennungsbescheid. In diesem rechtssicheren Dokument legt die zuständige Stelle dar, ob und inwiefern die ausländische Qualifikation dem deutschen Referenzberuf entspricht. Dabei gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Eine volle Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf ist immer dann gegeben, wenn zwischen  dem ausländischen Berufsabschluss und dem deutschen Vergleichsberuf keine wesentlichen Unterschiede bestehen.
  • Eine teilweise Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf besteht dann, wenn es Unterschiede zum deutschen Referenzberuf gibt (z.B. die Praxiserfahrung fehlt wie bei Sevdalina Todorova, die ihre Ausbildung zur Köchin in Bulgarien absolviert hat).¹
  • Keine Gleichwertigkeit wird dann beschieden, wenn die ausländische Qualifikation kaum vergleichbar ist mit dem deutschen Referenzberuf. Ein negativer Bescheid wird jedoch nur selten ausgestellt, denn in der Regel erkennen die Expertinnen und Experten der zuständigen Stellen schnell, ob die Diskrepanz zu groß ist und suchen nach Alternativen.

Sevdalina Todorova Hotel Meridian Nürnberg

Aber wie sieht so ein Anerkennungsbescheid aus? Welche Informationen enthält er und wie können Unternehmerinnen und Unternehmer den Bescheid nutzen, um die Qualifikationen einer ausländischen Fachkraft einzuschätzen?

Um diese und weitere Fragen dreht sich unsere Themenreihe »Den Anerkennungsbescheid verstehen«. Wenn Sie Ihrerseits Rückfragen und Anregungen zur Themenreihe haben, geben Sie uns gerne Bescheid!


¹Ausländische Fachkräfte haben die Möglichkeit, Unterschiede zum deutschen Referenzberuf durch eine Anpassungsqualifizierung auszugleichen, um die volle Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung anerkannt zu bekommen.

Mitarbeiterbindung durch berufliche Anerkennung: Zwei Unternehmen berichten

Fähige und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, ist nicht immer einfach. Oft kann sich die Personalsuche über Monate hinziehen und verursacht nicht nur hohen Aufwand, sondern häufig auch immense Kosten. Umso wichtiger ist es für viele Betriebe, ihre „Leute“ langfristig an sich zu binden. Der Schlüssel hierzu besteht in einer hohen Arbeitszufriedenheit – und genau hier leistet die Berufsanerkennung einen wichtigen Beitrag!

Das haben auch die Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken erkannt. Der Klinikverbund hat ein eigenes Konzept für die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland entwickelt, das auf langfristige Zusammenarbeit zielt. Eine zentrale Rolle dabei spielen die betrieblichen Integrationsbeauftragten. Als Mentorinnen und Mentoren stehen sie den interessierten Kandidatinnen und Kandidaten von der Ansprache über die Bewerbungs- und Ankerkennungsphase bis zur Einstellung als Fachkraft mit Rat und Tat zur Seite:

  • Sie informieren über den Anerkennungsprozess,
  • prüfen die notwendigen Antragsunterlagen und
  • unterstützen bei der Antragstellung aus dem Ausland.

Neben der personellen Begleitung unterstützt der Klinikverbund die ausländischen Fachkräfte, indem er:

  • die Übersetzungskosten für die einzureichenden Unterlagen und
  • die Anerkennungsgebühren übernimmt sowie
  • Sprachkurse fördert.

„Mit unserem Rekrutierungsansatz gewinnen wir zufriedene und gut ausgebildete Fachkräfte, die lange in unserem Unternehmen bleiben.“
Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken gGmbH

Dass das Konzept der Mentorinnen und Mentoren auch in kleineren Betrieben funktioniert, zeigt das Autohaus Gödde aus dem nordrhein-westfälischen Schmallenberg. Im April 2016 hatte der Familienbetrieb einen jungen Mann aus Syrien als Praktikanten eingestellt. Schon nach kurzer Zeit überzeugte der gelernte KFZ-Mechaniker das Autohaus und wurde zunächst befristet und kurz darauf unbefristet auf Helferniveau eingestellt.

Um ihn als qualifizierte Fachkraft beschäftigen und seine beruflichen Chancen zu erhöhen, entschied sich die Firma Gödde die berufliche Anerkennung des neuen Kollegen zu unterstützen – und der ganze Betrieb zieht mit:

  • Zwei bis drei Kollegen stehen dem jungen Mann stets mit Rat und Tat bei der Antragstellung sowie bei Korrespondenzen, Behördengängen und Terminen zur Seite.
  • Sie haben ihm bei der Wohnungssuche geholfen und auf dem Weg zum Führerschein.
  • Ein Kollege aus der Werkstatt hat den jungen Mann quasi „adoptiert“:
    Er zeigt ihm alles und lehrt in so zugleich die Fachsprache.

„Wir haben einen hochengagierten, loyalen Mitarbeiter gewonnen, den wir auf dem normalen Weg nie gefunden hätten.“
Autohaus Gödde GmbH

3 Gründe für die Berufsanerkennung als Instrument der Mitarbeiterbindung

Eine Stelle neu zu besetzen, kostet Unternehmen nicht nur Zeit, sondern häufig auch viel Geld: Von der Ausschreibung bis zur Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters bzw. einer neuen Mitarbeiterin in einer mittleren Einkommensklasse investieren Unternehmen durchschnittlich rund 23.000 Euro – ein guter Grund, einmal gewonnenes Personal möglichst lang an das Unternehmen zu binden. Doch wie?

Die Personalbindung stellt sich häufig als große Herausforderung dar: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind heute flexibler, binden sich nicht mehr so leicht an einen Arbeitgeber und wandern schneller ab, wenn sie mit ihrem Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Genau da setzt die Berufsanerkennung an: Sie kann auf verschiedene Weise dazu beitragen, die Zufriedenheit der Beschäftigten zu erhöhen – und sie so langfristig an das Unternehmen zu binden.

1. Grund: 90%

…aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es sehr wichtig , dass ihre beruflichen Fähigkeiten angemessen genutzt werden.*

So hilft die Berufsanerkennung: Viele Fachkräfte mit ausländischem Berufsabschluss sind vor ihrer Berufsanerkennung als ungelernte Helferinnen und Helfer angestellt und können ihre Kenntnisse und Fertigkeiten nicht richtig einbringen. Die Berufsanerkennung ermöglicht ihnen, ihr Können unter Beweis zu stellen und anspruchsvollere Tätigkeiten zu übernehmen, die ihrem Qualifikationsprofil entsprechen.

2. Grund: 97%

…der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind gute berufliche Perspektiven wichtig oder sehr wichtig.*

So hilft die Berufsanerkennung: Der Anerkennungsbescheid macht transparent, über welche Kenntnisse und Fähigkeiten eine ausländische Fachkraft verfügt. Dadurch ist es Unternehmen möglich, persönliche Karrierepfade aufzeigen und individuelle Weiterbildungsangebote bereitzustellen.

3. Grund: 72%

…der Befragten schätzen ihre persönliche berufliche Position nach der Antragstellung auf Berufsanerkennung besser ein als vorher und führen dies auch auf die Anerkennung zurück.**

 


 

*Quelle: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW)

**Quelle: Befragung im Rahmen der Evaluation des Anerkennungsgesetzes, durchgeführt von der InterVal GmbH und dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK).

Themenreihe „Mitarbeiterbindung durch berufliche Anerkennung“

Wir waren mit seiner Arbeit immer sehr zufrieden und es war uns wichtig, dass wir ihn an unser Unternehmen binden. Dabei wussten wir: Wenn wir es nicht schaffen, ihm dann auch Chancen zu bieten, sich weiterzuentwickeln und vielleicht auch mal ein paar Euro mehr zu verdienen, wird er auf Dauer unzufrieden werden und sich irgendwann auch anderswo umsehen. Und da war die Berufsanerkennung einfach ein sehr guter Weg, unser Ziel zu erreichen und eben gleichzeitig auch fuer den Mitarbeiter etwas Gutes zu tun.“

Igor Lamprecht, Personalleiter bei GCD Printlayout GmbH

Die Frage, wie man gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Betrieb binden kann, treibt viele Unternehmen um. In unserer neuen Themenreihe dreht sich alles um die Frage, welchen Beitrag die betriebliche Anerkennungsförderung zur Mitarbeiterbindung leisten kann:

  • Welche Bedeutung haben Anerkennung und Wertschätzung für die Mitarbeiterbindung?
  • Welchen Beitrag leistet die berufliche Anerkennung für eine Wertschätzungskultur im Unternehmen?
  • Wie kann die Berufsanerkennung konkret genutzt werden, um Wertschätzung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszudrücken?

Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im Rahmen unserer neuen Themenreihe „Mitarbeiterbindung durch berufliche Anerkennung“.